Um die Vorgaben der EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR) für Ihre Amazon-Listings korrekt umzusetzen, erstellen Sie zunächst eine strukturierte Tabelle mit allen geforderten Hersteller- und Produktdaten und hinterlegen Sie diese anschließend zentral im Compliance-Bereich der Amazon Seller Central. Die Verordnung (EU) 2023/988 verpflichtet Online-Händler dazu, Verbrauchern vor Abschluss eines Fernabsatzvertrags bestimmte Pflichtangaben zur Verfügung zu stellen. Dazu zählen insbesondere Name und Kontaktdaten des Herstellers, die Angaben einer in der EU ansässigen verantwortlichen Person sowie vollständige Produktkennzeichnungen und etwaige Warnhinweise. Erst wenn diese Datensätze lückenlos und konsistent hinterlegt sind, gilt ein Listing als GPSR-konform und bleibt für Käufer sichtbar.
Schritte zur Umsetzung in der Seller Central
- Datenaufbereitung: Erstellen Sie eine zentrale Übersicht, die pro Produkt den Namen und die vollständigen Kontaktdaten des Herstellers enthält. Ist der Hersteller nicht in der EU ansässig, ergänzen Sie zwingend Name und Kontaktdaten der verantwortlichen Person, die innerhalb der EU für das Produkt benannt ist.
- Dashboard aufrufen: Navigieren Sie in der Amazon Seller Central zum Bereich „Leistung“ und wählen Sie dort „Kontogesundheit“ aus, um Zugriff auf alle Compliance-relevanten Meldungen zu erhalten.
- Compliance-Bereich öffnen: Rufen Sie innerhalb der Kontogesundheit das Dashboard „Produktkonformitätsanfragen“ auf. Hier lassen sich die erforderlichen Informationen entweder manuell pro ASIN eingeben oder als Datei im Bulk-Verfahren hochladen.
- Abgleich mit dem Produkt: Prüfen Sie vor dem Upload, dass jede im System hinterlegte Angabe – Name, Adresse, Kennzeichnung, Warnhinweis – exakt mit der physischen Produktverpackung beziehungsweise dem Produkt selbst übereinstimmt.
- Prüfung abwarten und dokumentieren: Amazon fungiert als Gatekeeper und prüft die eingereichten Daten automatisiert. Bewahren Sie Ihre Ursprungstabelle als Nachweis auf, damit Sie bei Rückfragen oder erneuten Uploads schnell reagieren können.
Checkliste
- Herstellername und vollständige Kontaktdaten (Adresse, E-Mail oder Telefon) sind für jedes Produkt hinterlegt.
- Bei Herstellern außerhalb der EU ist zusätzlich eine verantwortliche Person mit EU-Kontaktdaten benannt.
- Produktkennzeichnungen im Seller-Central-Datensatz entsprechen wortgleich den Angaben auf Verpackung oder Produkt.
- Warnhinweise sind vollständig und unverändert aus der Originaldokumentation übernommen.
- Das Dashboard „Produktkonformitätsanfragen“ wurde auf offene oder abgelehnte Anfragen kontrolliert.
- Fehlermeldungen wie „5995“ wurden identifiziert und die betroffenen Uploads manuell korrigiert.
Typische Fehler
- Unvollständige Datensätze: Fehlt die Angabe der verantwortlichen Person in der EU, führt dies häufig zu einer automatischen Unterdrückung des betroffenen Listings, da Amazon die Pflichtangabe als nicht erfüllt wertet.
- Inkonsistente Angaben: Weichen die in der Seller Central hinterlegten Daten auch nur geringfügig von den Informationen auf der Produktverpackung ab, wird dies bei der automatisierten Prüfung als Fehler markiert und kann zu erneuten Rückfragen führen.
- Ignorierte Fehlermeldungen: Codes wie „5995“ weisen auf blockierte Uploads hin. Wird die Ursache nicht im Dashboard manuell bereinigt, bleibt das zugehörige Listing dauerhaft inaktiv oder eingeschränkt sichtbar.
Hintergrund
Die GPSR (Verordnung (EU) 2023/988) ersetzt die bisherige Richtlinie 2001/95/EG und erhöht das Schutzniveau für Verbraucher im EU-Binnenmarkt. Sie gilt grundsätzlich für nahezu alle nicht-lebensmittelbezogenen Verbraucherprodukte und verpflichtet Marktplätze wie Amazon dazu, die Einhaltung der Informationspflichten technisch zu überwachen, bevor ein Angebot für Käufer in der EU sichtbar bleibt.
Für die rechtsverbindliche Auslegung einzelner Pflichtangaben ist ausschließlich der Volltext der Verordnung (EU) 2023/988 maßgeblich. Bei technischen Problemen mit dem Dashboard „Produktkonformitätsanfragen“, blockierten Uploads oder konkreten Fehlercodes ist der Amazon-Support als Plattformbetreiber die primäre und offizielle Anlaufstelle – nur dort lassen sich kontospezifische Fehlermeldungen klären. Einen strukturierten Überblick über weiterführende Themen rund um Marktplatz-Compliance finden Sie zudem in unserer Wissensdatenbank.